Der CO2-Fußabdruck von Hotels

Urlaub ist eine der schönsten Zeiten im Jahr. Gleichzeitig gehört zur ehrlichen Betrachtung dazu: Reisen verbraucht Ressourcen und verursacht Treibhausgasemissionen. Wir fahren oder fliegen an einen anderen Ort, übernachten dort, benötigen Energie und Wasser und wollen essen und etwas erleben.

Das ist ein guter Grund, genauer hinzuschauen. Denn wie hoch die mit einer Reise verbundenen Emissionen ausfallen, ist beeinflussbar. Hotels können ihren Energieverbrauch senken, ihre Wärmeversorgung verändern oder erneuerbare Energien einsetzen. Und Gäste können bei ihrer Reiseentscheidung darauf achten, ob ein Hotel die Emissionen erfasst, transparent informiert und Maßnahmen zur Reduktion umsetzt.

Eine wichtige Kennzahl ist der CO₂-Fußabdruck eines Hotels. In der Hotellerie wird er häufig als kg CO₂-Äquivalente pro Zimmer und Übernachtung dargestellt. Aber was sagt diese Zahl eigentlich aus? Und was nicht?

Was bedeutet CO2-Fußabdruck im Hotelkontext?

Im Alltag sprechen wir meist vom CO₂-Fußabdruck. Fachlich genauer wäre der Begriff Treibhausgas-Fußabdruck. Denn Kohlendioxid (CO₂) nicht das einzige Treibhausgas ist, das zur Erderwärmung beiträgt. Für eine gemeinsame Darstellung wird die Wirkung der verschiedenen Gase in sogenannte CO₂-Äquivalente – kurz CO₂e – umgerechnet. Durch diese Maßeinheit muss nicht für jedes Gas eine eigene Statistik geführt werden. Stattdessen lässt sich der gesamte Klimaeffekt eines Produkts, eines Fluges oder eines Unternehmens in einer gemeinsamen Zahl ausdrücken.

Für Hotels ist der CO₂e-Fußabdruck pro belegtem Zimmer und Übernachtung eine etablierte Kennzahl. Eine international verwendete Methodik ist beispielsweise die Hotel Carbon Measurement Initiative, kurz HCMI.

Was wird beim CO₂e-Fußabdruck einer Hotelnacht mitgerechnet?

Je nach Berechnungsmethode können beispielsweise berücksichtigt werden:

  • Brennstoffe für Heizung und Warmwasser
  • eingekaufter Strom
  • Kältemittel
  • bestimmte betriebliche Fahrzeuge
  • ausgelagerte Dienstleistungen wie eine externe Wäscherei
  • Arbeitswege der Mitarbeitenden

Ein kleines Stadthotel ohne Restaurant oder Wellnessbereich benötigt andere Mengen an Energie als ein Ferienhotel mit Schwimmbad, Sauna, Restaurant und größeren Außenanlagen. Auch Lage und Klima spielen eine Rolle. Ein Hotel in den Alpen kann beispielsweise einen höheren Heizbedarf haben, während in wärmeren Regionen die Kühlung stärker ins Gewicht fallen kann. Auch die Auslastung spielt eine Rolle, denn bestimmte Energieverbräuche entstehen auch dann, wenn ein Hotel nicht vollständig belegt ist. Bei niedriger Belegungsquote steigt der rechnerische Wert je Übernachtung entsprechend.

Wichtig: Wenn du die Emissionen deiner gesamten Urlaubsreise kalkulieren möchtest oder verschiedene Urlaubsvarianten vergleichen willst, musst du zur Übernachtung noch An- und Abreise, Freizeitaktivitäten, Verpflegung etc. dazurechnen. Die Anreiseart ist der wirksamste Hebel, den du als Gast selbst in der Hand hast: Laut UN Tourism, einer Spezialagentur der Vereinten Nationen bis zu 75% der gesamten CO2-Emissionen einer Reise.

Welche Rolle spielt die Verpflegung für den CO2-Fußabdruck?

Herstellung, Verarbeitung und Transport von Lebensmitteln verursachen ebenfalls Treibhausgasemissionen und sind deshalb Teil der "Gesamtbilanz" eines Urlaubs. Hier wirkt stärksten der Fleischverzicht, also vegetarische Küche oder vegane Küche, fast ebenso wichtig sind Regionalität und Saisonalität. Kurze Transportwege und Erntezeit statt beheiztem Gewächshaus oder Flugware sparen ebenfalls CO2. Weiterer Einflussfaktor ist der Verarbeitungsgrad: Je frischer und unverarbeiteter, desto kleiner der Fußabdruck – Convenience-Produkte schlagen durch zusätzliche Energie für Verarbeitung, Kühlung und Verpackung stärker zu Buche.

Was können Hotels und Gäste tun?

Der erste Schritt ist unspektakulär: messen. Denn bevor ein Hotel seine Treibhausgasemissionen gezielt reduzieren kann, muss es wissen, wo sie entstehen. Energie- und Verbrauchsdaten können beispielsweise zeigen, welcher Bereich besonders relevant ist. Je nach Betrieb können anschließend ganz unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein: eine effizientere Heiztechnik, eine verbesserte Gebäudehülle, erneuerbare Energien, sparsamere technische Anlagen oder Veränderungen in betrieblichen Abläufen, eine Veränderung des Speiseplans oder der Lieferanten.

Gäste, die Treibhausgasemissionen bei ihrer Reiseentscheidung berücksichtigen möchten, können genauer hinschauen. Erfasst das Hotel seinen Energieverbrauch? Nennt es einen nachvollziehbaren CO₂e-Wert? Beschreibt es konkrete Maßnahmen? Wird sichtbar, wie sich Verbrauch oder Emissionen über mehrere Jahre entwickelt haben?

Der CO₂e-Wert ist eine Kennzahl – kein allgemeiner Nachhaltigkeitsscore und kein Gesamturteil über ein Hotel. Und natürlich beginnt und endet der CO2-Fußabdruck einer Reise nicht an der Hoteltür. Auch Entfernung und genutzte Verkehrsmittel spielen eine Rolle. Eine Hotelübernachtung bildet immer nur einen Teil der gesamten Reise ab.

Und was ist mit Kompensationen?

Lange wurde im Tourismus eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks mit Begriffen wie „klimaneutral“, „CO₂-neutral“, „klimafreundlich“ oder "klimapositiv" beworben. Mit den verschärften europäischen Vorgaben zur Umweltkommunikation wurden solche Aussagen reglementiert.

Insbesondere darf eine Dienstleistung nicht deshalb als klimaneutral oder mit einer verringerten Treibhausgaswirkung beworben werden, weil entstandene Emissionen durch Klimaschutz-Projekte außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette kompensiert werden.

Ein Hotel kann solche Projekte natürlich weiterhin unterstützen und darüber informieren. Das muss aber getrennt vom CO2-Fußabdruck der Übernachtung dargestellt werden. Denn eine finanzierte Kompensationsmaßnahme verändert nicht die Emissionen, die beim Betrieb des Hotels entstanden sind.

Vom Reduzieren zum Regenerieren

Die Diskussion über die Zukunft des Tourismus geht eine Idee inzwischen noch einen Schritt weiter: regeneratives Reisen, also die Idee, dass Reisen dazu beitragen, ökologische Systeme zu stärken, regionale Wirtschaftskreisläufe zu unterstützen, Lebensräume zu erhalten und die Lebensqualität der Menschen vor Ort positiv zu beeinflussen.  Kurz: Ein Tourismus, der insgesamt mehr zurückgibt, als er beansprucht, 

Auch in der Community von Biohotels.de verfolgen wir diese ambitionierte Vision - mit Experten, die diesen Gedanken in ihren Betrieben und Regionen bereits aktiv umsetzen und vorantreiben. Fragt uns gerne, wenn ihr mehr dazu wissen wollt. 

Tipp: Mit unserem Suchfilter "CO2-Bilanz" kannst du CO2-bilanzierte Hotels nach ihrem CO₂e-Fußabdruck je Nacht filtern.

Alle Suchfilter